Filmproduktion im Stahlwerk

Für den Wuppertaler Maschinenbauer KARL DEUTSCH waren wir im Rahmen einer Filmproduktion bei der BGH Edelstahl in Siegen. Ein Dreh im Stahlwerk ist immer eine besondere Herausforderung, da bei höchsten Temperaturen, gleißendem Licht, viel Lärm und Staub gute Aufnahmen viel Erfahrung bedürfen. Spaß bereitet solch ein Dreh natürlich allemal!

Alles ist heiß

Ohne Sicherheitseinweisung und passender Ausrüstung darf man das Werksgelände natürlich nicht betreten. Die Einweisung gestaltet sich, untermalt durch einen Film, kurzweilig und sagt im Prinzip nur aus: „Nichts anfassen, da alles heiß sein könnte„. Dies nehmen wir uns zu Herzen und besuchen zunächst eine große Prüfanlage der Firma KARL DEUTSCH.

Bei der ersten Maschine werden Stahlstäbe von 100-400mm ⌀ mit bis zu 18 Metern Länge auf Risse überprüft. Dafür fahren Ultraschall Sensoren die Stäbe entlang und zeichnen jede Materialveränderung auf. Die Maschinen filmisch ins rechte Licht zu rücken ist insofern schwierig, da wenig Platz für die Kamera gegeben ist und viele Vorgänge parallel ablaufen. Hier den passenden Winkel für die Kamera zu finden und jeden Vorgang aus verschiedenen Einstellungsgrößen und Winkeln zu treffen, bedarf einer guten Übersicht. Von Vorteil ist hierbei, dass wir ähnliche Maschinen bereits an anderen Orten gefilmt haben und wir somit eine gute Vorstellung davon haben, wie solche Prüfsysteme arbeiten.

 

Die zweite Maschine ist deutlich kleiner und besser zugänglich. Wie schon bei der ersten Maschine können wir auch hier mit unseren Weitwinkelobjektiven trotz naher Abstände eine Gesamtansicht aufnehmen. Die Kombination aus den weiten und nahen Aufnahmen ermöglicht einen spannenden Schnitt.

Filmproduktion an der Belastungsgrenze

Wir haben beim Dreh nicht in der richtigen Reihenfolge gefilmt und die Hochöfen und Schmieden erst anschließend besucht. Im Film finden sich diese Aufnahmen selbstverständlich zu Beginn. Beim Betreten der Hallen, in denen das Metall erhitzt und gegossen wird, fühlt es sich an, als würde man in eine andere Welt kommen. Überall Brodelt, kocht und sprüht es glühend heißes Metall. Die Helligkeitsunterschiede sind dabei enorm, sodass der Sensor der Kamera bzw. die Blende optimal eingestellt werden müssen: eine Anforderung bei der ein guter Kameramann gefragt ist. Einen Aufguss können wir leider nicht filmen, da dieser erst in 5 Stunden gemacht wird. Somit bleibt noch die Schmiede zu filmen.

 

Die Schmiede an sich ist leiser als man denkt. Bei einer Filmproduktion bei der AUDI AG haben wir Aufnahmen gemacht, bei denen auch Orks aus Herr der Ringe hätten geschmiedet werden könne; bei einem höllischen Lärm wird das Metall in die gewünschte Form geschlagen. In der BGH in Siegen wird das Metall hingegen gedrückt. Das Ergebnis ist besser, auch wenn hierfür deutlich mehr Kraft benötigt wird. Vielen ist sicherlich das Bild vertraut, wie ein Schmied mit seinem Hammer auf das glühende Metall schlägt. Die Energie des Hammerschlags wird allerdings bis ins Innere des Metalls abgebaut. Beim drücken wird in allen Ebenen gleichviel Energie freigesetzt.

Filmschnitt in zwei Versionen

Der Film wird in zwei Versionen verwendet. Eine längere mit beiden Maschinen (6.36 Minuten) und eine kürzere mit nur einer der beiden. Der Aufbau des Films ist chronologisch und „erzählt“ die Entstehung des Stahls. Beim Schneiden ist es bei diesem Projekt wie so oft: Es gibt sehr viele schöne Aufnahmen, die am liebsten alle in den Film sollen. Doch hier gilt auch das altbekannte Sprichwort bei Cuttern: „kill your darlings„. Somit müssen wir uns schweren Herzens von wunderschönen Aufnahmen aus dem Stahlwerk trennen. Dem Tempo und dem Aufbau des Films tut dies sicherlich gut.