Rote Couch Musikvideo

Umgesetzt in: 2017 / Kunde: BONEZ

Was war die Aufgabe

Musikvideos sind filmisch immer spannende Projekte. Die Kriterien unterscheiden sich dabei erheblich von Industriefilmen. Sind in der Industrie Farbgenauigkeit und bildliche Brillianz gefragt, so darf es bei Musikvideos gerne auch mal anders zu gehen. Ein gutes Beispiel ist hier das neue Musikvideo „Rote Couch“ der Wuppertaler Rap-Rock Band BONEZ.

Wir wollen Eskalation

Häufig kommen Bands zu uns, die bereits eine konkrete Vorstellung für ihr Video haben. Kostentechnisch ist das für die Band natürlich sehr gut, da wir weniger Vorarbeit leisten müssen: der Preis reduziert sich dadruch enorm. Auch in diesem Fall stand die Grundidee zum Video schon fest und auch Location und Setting wurden von BONEZ bereits organisiert: Gedreht wurde in einer der bekanntesten Discos in Wuppertal – die Börse. Die beiden Protagonisten sollten auf der Bühne auf einer Couch sitzend vor älteren Röhrenfernsehern performen und miteinander interagieren ohne sich tatsächlich zu sehen.
Am Ende soll einfach alles eskalieren“, gab es noch als Anweisung. Der Rest war uns überlassen.

Die große Gefahr der eigenen Idee

Selbstverständlich geben wir auch ebi viel Eigeninitiative wichtige Tipps zur Vorbereitung. Denn die eigene Idee der Band birgt häufig, so wie auch hier, eine große Gefahr: Langeweile. Über drei Minuten einen Spannungsbogen aufrecht zu halten, obwohl man – in diesem Fall – nur ein Set hat ist schwierig. Entweder muss die Band durch gute Schauspielerleistung eine Präsenz entwickeln, die den Zuschauer fesselt, oder es muss einfach viel im Bild passieren.

Die Schauspielerfahrung hielt sich in diesem Fall in Grenzen, weshalb wir über das eine Set hinaus noch einige Greenbox-Szenen eingeplant haben. Die Fernseher sollten außerdem stärker eingebunden werden und verschiedene Bilder zeigen um das Setting spannender erscheinen zu lassen.

Über eine andere Gefahr haben wir uns an dieser Stelle noch nicht so wirklich Gedanken gemacht – aber darüber später mehr.

Unsere Umsetzung

Der Dreh beginnt

Samstag morgen um 9:00 Uhr starten wir in Wuppertal mit dem Dreh. Vor unserer mobilen Greenbox beginnen wir mit den Einzelaufnahmen der Band. Eine gute Gelegenheit für unsere Stars warm und wach zu werden. Optimal ist dabei die professionelle Beleuchtung der Disco, welche eine schattenfreie Ausleuchtung ermöglicht. Unzählige Leuchten stehen uns in verschiedensten Farben und Intensitäten zur Verfügung. Als Filmteam ist unsere Aufgabe natürlich nicht darauf beschränkt die Kamera zu bedienen, sondern besteht im Kern darin am Ende ein perfektes Gesamtprodukt zu bekommen.

Improvisation und maßloses Übertreiben

Was auf dem Zettel gut aussieht, funktioniert noch lange nicht im Film. Beim Dreh ist ein Gefühl für die Situation gefragt. Gerade in der Zusammenarbeit mit Schauspielleihen ist ein besonderes Händchen wichtig. In diesem Fall waren die häufigsten Worte des Tages: „Mehr“, „Stärker“, „Größer“ und „Eskalation“. Denn was in der Realität schon übertrieben wirkt, kommt im Film noch lange nicht richtig rüber. Also muss deutlich übertrieben werden um auf dem Bildschirm eine Wirkung zu erzielen. Dies fühlt sich doch recht komisch an und kostet unsere Protagonisten schon einiges an Überwindung. Aber es wirkt.

Der große Knall

Wie im Video zu sehen, werden am Ende die Rörenbildschirme zunächst beschädigt und dann zertrümmert. Dabei haben wir um den Boden mehr Sorge, als um uns selbst. Gegen Farbe und Schmutz durch eine Plane geschützt, ist dieser am Ende des Drehs aber in einem tadellosen Zustand geblieben.

Das Zerstören von nur einmal vorhandenen, für den Dreh essenziellen Gegenständen ist eine einmalige Sache. In diesem Moment muss alles beim ersten Versuch funktionieren. Bei der Eskalation filmten wir mit einer freien Kamera und gaben den Darstellern Anweisungen um Schläge auf die Fernseher zu synchronisieren. Ein Fernseher nach dem Anderen beendete seine Existenz in einem unglaublich lauten Knall. Zum Glück sind es Implosionen und keine Explosionen. Dennoch lagen am ganzen Set scharfe Scherben. Die Sicherheitsschuhe unserer Crew waren hier gefragt – die Feuerlöscher zum Glück nicht. Zur Sicherheit haben wir nur Fernseher verwendet, die längere Zeit vom Stromnetz getrennt sind. Denn in den Spulen und Transistoren kann sich ansonsten noch lange nach dem Betrieb Strom befinden.

Der Dreh endete nach gut 12 Stunden.

Ein aufwendiger Schnitt

Durch das grobe Konzept haben wir im Schnitt die Möglichkeit, aber auch die Aufgabe, dem Film eine Seele zu geben. Basis ist ein Rohschnitt, in dem das Video grundlegend zusammengeschnitten wird. Auf dieser Basis definieren wir ein Farbsetting und erarbeiten Ideen, was wir aus dem Material rausholen können. Mindestens ein dutzend interne Abnahmeschleifen sind nötig um aus dem Video ein gutes und schließlich ein extrem gutes Musikvideo zu erstellen. Immer wieder ergeben sich neue Ideen und Ansätze zur Weiterentwicklung. Eine sehr kreative Arbeitsphase. Wie aus einem Holzblock wird zunehmend feiner die fertige Skulptur herausgearbeitet. Dieser Prozess dauert ca zwei Wochen. Gerade die vielen Animationen in den Fernsehern bringen die Hardware an die Belastungsgrenzen und benötigen viel Zeit. Was uns besonders freut: Die Band ist von unserer Version begeistert und hat nur kleine Änderungswünsche. Diesen kommen wir natürlich gerne nach und stellen das Video fertig.